Schreitvögel

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Schreitvögel

Veraltete systematische Gruppe

Das hier behandelte Taxon ist nicht Teil der in der deutschsprachigen Wikipedia dargestellten Systematik. Näheres hierzu findet sich im Artikeltext.

Weißstorch mit Jungvögeln

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Polyphyletisches Taxon:
Ordnung: Schreitvögel
Wissenschaftlicher Name
Ciconiiformes
Bonaparte, 1854

Die Schreitvögel (Ciconiiformes Bonaparte, 1854), auch Storchenvögel oder Stelzvögel genannt, sind eine traditionelle Ordnung der Unterklasse der Neukiefervögel (Neognathae), die die Störche (Ciconiidae), die Reiher (Ardeidae), die Ibisse und Löffler (Threskiornithidae), den Schuhschnabel (Balaenicipitidae) und den Hammerkopf (Scopidae) beinhaltet. Nach einer Revision der Vogelsystematik auf Grundlage von molekularen Daten enthalten die Ciconiiformes heute nur noch die Störche.

Aussehen und Lebensweise

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Als gemeinsame Merkmale der „Schreitvögel“ galten ihr relativ großer Wuchs, ihre langen, stelzenartigen Beine und ihre damit verbundene Lebensweise, langsam schreitend (daher der Name) offenes Gelände oder flache, stehende Binnengewässer nach tierischer Nahrung abzusuchen oder dort in Lauerstellung auf eine Gelegenheit zu warten, Beute zu machen, wobei rasche Ortswechsel fliegend vollzogen werden. Nach neuen Erkenntnissen sind ein solcher Habitus und eine solche Art der Nahrungssuche aber keine zwingenden Anzeichen für eine direkte Verwandtschaft zwischen Vogelfamilien, auf die ebendiese Merkmale zutreffen (z. B. zwischen Störchen und Reihern). Stattdessen sind diese Merkmale offenbar in genetisch nicht unmittelbar miteinander verwandten Vogelfamilien mehrfach unabhängig voneinander (konvergent) entstanden.

Revidierte Systematik

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Charles Sibley und Jon E. Ahlquist untersuchten die Verwandtschaftsverhältnisse der Vögel mittels DNA-Hybridisierung und kamen zu einer sehr weiten Fassung der Ciconiiformes, die auch Regenpfeiferartige (Charadriiformes), Greifvögel (seinerzeit Falconiformes), Lappentaucher (Podicipediformes), Flamingos (Phoenicopteriformes), Ruderfüßer (Pelecaniformes), Pinguine (Sphenisciformes), Seetaucher (Gaviiformes) und Röhrennasen (Procellariiformes) einschloss.[1][2] Die Sibley-Ahlquist-Taxonomie fand allerdings keine allgemeine Anerkennung. Lediglich die Zuordnung der Neuweltgeier (Cathartidae) wurde von vielen Wissenschaftlern akzeptiert.

In den 1990er Jahren wurde die DNA-Hybridisierung durch die DNA-Sequenzierung abgelöst, die den direkten Vergleich von DNA des Zellkerns oder der Mitochondrien (mtDNA) ermöglicht. Neuere Analysen auf Grundlage dieser Methode zeigen, dass Reiher, Ibisse und Löffler, der Schuhschnabel und der Hammerkopf näher mit den Pelikanen als mit den Störchen verwandt sind.[3][4] Da diese Ergebnisse weitreichende Akzeptanz bei Ornithologen erfuhren, sind die genannten Taxa konsequenterweise den Pelecaniformes zugeordnet worden, und die Ciconiiformes sind nunmehr monotypisch mit nur einer verbleibenden Familie, den Störchen. Die Neuweltgeier sind den neu definierten Greifvögeln (Accipitriformes) zugeordnet worden.[5][6][7]

Die wahrscheinlichen verwandtschaftlichen Verhältnisse gibt folgendes Kladogramm wieder. Die traditionell den Schreitvögeln zugeordneten Taxa sind fett hervorgehoben (Topologie nach Hackett et al. (2008)[4], Taxonnamen nach Chesser et al. (2011)[7]):


  Ciconiiformes  

 Störche (Ciconiidae)


   

 Suliformes (KormoraneFregattvögelTölpel etc.)


  Pelecaniformes  


 Reiher (Ardeidae)


   

 Ibisse und Löffler (Threskiornithidae)



   

 Hammerkopf (Scopus)


   

 Pelikane (Pelecanus)


   

 Schuhschnabel (Balaeniceps)







Vorlage:Klade/Wartung/Style
  1. Charles Gald Sibley, Jon Edward Ahlquist, Burt L. Monroe, Jr.: A classification of the living Birds of the world based on DNA-DNA hybridization studies. The Auk. Bd. 105, Nr. 3, 1988, S. 409–423
  2. Charles Gald Sibley, Jon Edward Ahlquist: Phylogeny and Classification of Birds – A Study in Molecular Evolution. Yale University Press, New Haven, Connecticut, 1990.
  3. Per G. P. Ericson, Cajsa L. Anderson, Tom Britton, Andrzej Elzanowski, Ulf S. Johansson, Mari Källersjö, Jan I. Ohlson, Thomas J. Parsons, Dario Zuccon, Gerald Mayr: Diversification of Neoaves: integration of molecular sequence data and fossils. Biology Letters. Bd. 2, Nr. 4, 2006, S. 543–547, doi:10.1098/rsbl.2006.0523
  4. a b Shannon J. Hackett, Rebecca T. Kimball, Sushma Reddy, Rauri C. K. Bowie, Edward L. Braun, Michael J. Braun, Jena L. Chojnowski, W. Andrew Cox, Kin-Lan Han, John Harshman, Christopher J. Huddleston, Ben D. Marks, Kathleen J. Miglia, William S. Moore, Frederick H. Sheldon, David W. Steadman, Christopher C. Witt, Tamaki Yuri: A Phylogenomic Study of Birds Reveals Their Evolutionary History. Science. Bd. 320, Nr. 5884, 2008, S. 1763–1768, doi:10.1126/science.1157704
  5. Frank Gill, Minturn Wright: Birds of the World: Recommended English Names. Princeton University Press, 2006, ISBN 0-7136-7904-2
  6. Raptors (Memento vom 22. Mai 2011 im Internet Archive). IOC World Bird List
  7. a b R. Terry Chesser, Richard C. Banks, Keith Barker, Carla Cicero, Jon L. Dunn, Andrew W. Kratter, Irby J. Lovette, Pamela C. Rasmussen, J. V. Remsen, Jr., James D. Rising, Douglas F. Stotz, and Kevin Winker: Fifty-First Supplement to the American Ornithologists’ Union Check-List of North American Birds. The Auk. Bd. 127, Nr. 3, 2011, S. 726–744, doi:10.1525/auk.2010.127.3.726; siehe dazu auch AOU Committee on Classification and Nomenclature (North & Middle America) 2009-2010 Proposals
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